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DDR-Zeit (Teil 2)

Geld machen mit Recycling in der DDR: Ideen und ein Handwagen -- manche DDR-Waren gab es nur in der BRD zu kaufen -- Lehrbücher aus der DDR und der Sowjetunion waren methodisch super -- STASI überwachte auch die Kripo in West-Berlin -- Proteste gegen Honecker-Regime kamen aus gefälschten Kommunalwahlen -- Die politischen Opfer in der DDR sind vergessen --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Spiegel
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13.12.2013: Geld machen mit Recycling in der DDR: Ideen und ein Handwagen

aus: Spiegel online: Recycling in der DDR: Müll zu Ost-Mark; 13.12.2013;
http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/13021/muell_zu_ost_mark.html

Buchempfehlung:
Mark Scheppert: "Der Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens. 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR." Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009, 228 Seiten.

<Recycling in der DDR
Müll zu Ost-Mark Reich dank weggeworfener Westlektüre und leerer Wodkaflaschen: Als Jugendlicher sammelte Marko Schubert mit einem Freund in Ostberlin fleißig Wertstoffe und verdiente damit viel Geld. Seine "Altstoff-Mafia" arbeitete mit allen Tricks - und der Hilfe eines stets angetrunkenen Komplizen.

Das konnte doch einfach nicht wahr sein! Seit Wochen wachte ich jeden Sonntag gegen neun Uhr auf, weil irgend so ein Idiot seine Flaschen in den Altglas-Tonnen im Hof zerdepperte. Wieder klirrte es, und diesmal sprang ich auf und öffnete wutentbrannt das Fenster. Gerade wollte ich "Ruhe da unten" brüllen, als ich meinen Irrtum bemerkte: In den Container wurden keine leeren Pullen geschmissen, sondern jemand wühlte angestrengt darin herum. Plötzlich musste ich daran denken, wie ich mir als Kind durch emsiges Sammeln von Altstoffen ein kleines Vermögen verdient hatte.

[Sero = "Sekundärrohstoffe"]

Das Zauberwort, mit dem man in der DDR Flaschen in Kleingeld verwandelte, hieß Sero. Sekundärrohstoffe wie Papier, Gläser, Flaschen, Schrott, Lumpen, Plaste und Elaste gaben die Menschen in den Sero-Sammelstellen ab und erhielten pro Stück oder Kilogramm einige Pfennige dafür. Es hieß, die zahnlosen Leute, die dort arbeiteten, kämen direkt aus dem Knast in Rummelsburg und sollten durch diesen grauenvollen Job wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden.

In dem alten ausrangierten Lkw-Anhänger direkt an der Büschingstraße in Ostberlin stank es stets muffig und nach Alkohol. Der Planwagen mit dem Sero-Logo war irgendwann wie ein Fremdkörper zwischen all den zehngeschossigen Hochhäusern mitten auf dem Gehweg abgestellt worden.

Tätowierter Hüne mit Alkoholfahne

Zu dem Wagen gehörte Herr Lepro. Unrasiert, die Haare klebrig über die Stirn gekämmt und stets übellaunig saß der tätowierte Hüne auf den Stufen der rostigen Treppe, die zu seinem Bauwagen hinaufführte und blickte uns böse an. Er hatte gewisse Ähnlichkeit mit dem Riesen aus der beliebten Kinderserie "Spuk unterm Riesenrad". Dort stellten sich aber Hexe, Zwerg und auch der Riese schnell als liebenswerte Zeitgenossen heraus. Bei Herrn Lepro war dies nicht der Fall. Der Alkoholgestank im Inneren seines Wagens ging nicht nur von Hunderten leerer Schnapsflaschen, sondern wohl auch von seinen Atemwegen aus. Seine sozialistische Aufgabe war es, Altstoffe von braven Bürgern gegen Geld anzunehmen und sie in die volkseigene Produktion zurückzuführen.

Vorher war unsere Altstoffannahme "jwd", also "janz weit draußen" gewesen. Als der Wagen über Nacht plötzlich an dieser Stelle aufgebaut worden war, freuten sich Benny und ich. Schließlich mussten wir immer Vaters Schnaps- und die bulgarischen Rotweinpullen unserer Mami entsorgen. Mein kleiner Bruder ging jedoch nur wenige Male zum Altstoffmann. Klar sah der Typ finster, gemein und hinterhältig aus, aber dass Benny gar nicht mehr einschlafen konnte und Alpträume bekam, wenn er an den Lepro dachte, fand ich ein bisschen übertrieben. Na gut: Ich hatte Schiss vorm Wäschemann.

Mit seinen dicken Oberarmen stapelte Lepro Papier, Pappe, Schrott und Lumpen bis unters Dach und ließ Flaschen und Gläser in riesigen Kisten verschwinden. Da ich nie mitbekam, wann der Wagen geleert wurde, stellte ich mir immer vor, wie Herr Lepro des Nachts mit riesigen Rucksäcken voller Altstoffe durch Berlin zum zentralen Sero-Hof stiefelte, um sie dort brüllend bei anderen tätowierten Monstern abzuliefern.


Pionierauftrag auf einen Schlag übererfüllt

Natürlich mussten Altstoffe auch regelmäßig für die Schule gesammelt werden, um die Einnahmen Kindern in Angola, Vietnam und Nicaragua zu schicken. Papier, Schrott und Schnapsflaschen für den Frieden konnten montags ab 7.30 Uhr im Altstoffkeller der Schule abgegeben werden und wurden von den verantwortlichen Schülern in Listen eingetragen - 100 Soli-Punkte brauchte jeder Schüler im Jahr. Wir staunten nicht schlecht, als wir mit einer einzigen großen Fuhre Altpappe - einem Geschenk von Bommels Mutter, die Bibliothekarin war - unseren Pionierauftrag des Jahres 1981 bereits übererfüllt hatten. Ab jetzt konnten wir die Sachen also komplett in eigenes Taschengeld umwandeln und schleppten die nächsten Pappen zum Altstoffhändler.

Mürrisch drückte uns Herr Lepro zehn Mark in die Kinderhände - jedem! So entstand ein ziemlich ungewöhnliches Hobby für einen Elfjährigen: Altstoffsammeln! Jeder Betrag über zwei Mark war für uns eine unglaubliche Summe, und wir hatten durch unseren ersten Zehner Blut geleckt.

Wir grasten den kompletten Wohnblock ab, klingelten an jeder Tür und fragten: "Haben Sie Altstoffe?" Natürlich bekamen wir unsere bunten Stoffbeutel und Netze fast überall prall gefüllt. Viele Leute waren einfach zu faul, die Sachen selbst wegzubringen. Und die Menschen soffen zu unserer Überraschung alle so viel wie unsere Väter. In fast jedem Haushalt gab es hinter einem Vorhang eine Abstellnische mit Dutzenden weißer Schnaps- und grüner Weinpullen.

Vor dem fiesen Altstoffhändler Lepro verloren wir langsam unsere Scheu. Wir merkten, dass auch für ihn dieses Geschäft mehr als gut zu laufen schien. Besonders scharf war er auf Zeitschriften, Papier- und Buchlieferungen. Erst Jahre später, als auch ich nach Westzeitschriften, Postern und verbotenen Büchern gierte, wurde mir bewusst, wie viel Kohle er damit nebenher gemacht haben musste.

Westzeitungen gegen DDR-Geld

Wir entwickelten eine symbiotische Geschäftsbeziehung: Er bekam seine Westliteratur und wir unsere ostdeutschen Aluminumchips, also DDR-Geld. Wir handelten einmalige Privilegien aus und mussten so nicht mehr die ollen Metallringe an den Flaschenhälsen mit dem verrosteten Schraubenzieher selbst abschlagen, nicht mehr um jedes Gramm Papier feilschen - es wurde auch mal aufgerundet.

[Eine Handkarre]

An einem kühlen Herbsttag - wir hatten ihn gerade wieder beliefert und abgerechnet - sagte Herr Lepro, dass er noch etwas für uns hätte. Wie immer roch er ein wenig süßlich nach Alkohol, aber seine rot unterlaufenen Augen deuteten so etwas wie ein Leuchten an. Er ging die Treppe hinunter nach draußen vor den Altstoffwagen, öffnete den Kofferraum eines dunklen Lada und stellte uns grimmig lächelnd einen riesigen selbstgebauten Bollerwagen vor die Füße: "Na, wat sagt ihr nun, Jungs?" Der wahrscheinlich freundlichste Sero-Mitarbeiter der Welt strahlte.

[Recycling-Gruppen: Sektoren werden abgesteckt]

Mit der neuen Handkarre konnten wir plötzlich viel längere Strecken bewältigen und uns endlich auch in andere Stadtteilecken wagen. Nur ein einziges Mal, in Höhe des Hotel Berolina, trafen wir die wesentlich älteren Jungs der Konkurrenz, die uns klarmachten, dass wir dort überhaupt nichts zu suchen hätten. Die restlichen endlosen Häusermeere gehörten uns allein. Vom S-Block bis zum Scheppert-Eck, vom Leninplatz bis zum Märchenbrunnen reichte nun unser Altstoffmonopol.

[Ankündigungen in der Nachbarschaft - und es funktioniert]

Wir ließen meine Mutter per Schreibmaschine Zettel schreiben, auf denen stand: "Die jungen Pioniere kommen am 22.09.1981 zum Altstoffsammeln in Ihr Haus. Bitte stellen Sie Flaschen, Gläser und Altpapier im Müllschluckerraum bereit." Auf die Mieter in unserer Gegend war in der Regel Verlass - die Räume waren am gewünschten Tag immer rappelvoll, als hätten sie am Wochenende extra für uns ihre noch halbvollen Pullen ausgesoffen.

Malheur im Feierabendverkehr - [der überladene Handwagen kippt um]

An einem kühlen, regnerischen Herbstnachmittag hatten wir geschuftet wie noch nie. Unser Wagen war vollkommen überladen, und wir mussten beim Transport die gestapelten Papierpakete, Flaschen und Gläser an der Seite festhalten und gleichzeitig mit schier unmenschlicher Kraft ziehen, um das Gefährt in Richtung Altstoffhändler zu bewegen.

Natürlich krachte der Wagen mit einem riesigen Knall ausgerechnet auf der viel befahrenen, vierspurigen Mollstraße auf die Seite. Überall lagen zersplitterte Flaschen Nordhäuser Doppelkorn, kaputte Spreewälder Gurkengläser rollten in Richtung Bordsteinkante und ein dickes Paket gebündelter "Neuer Deutschlands" fiel auseinander. Und das im Feierabendverkehr.

Schnell bildete sich ein langer Stau wütend hupender Autos. Eigentlich alles kein Problem, doch ausgerechnet meine Mutter hatte das Malheur aus dem Fenster des neunten Stocks beobachtet. Wütend stand sie wenig später mit unserem Besen bewaffnet neben uns und schrie mich an: "Womit habe ich das alles verdient?" Zum Glück sagte Bommel energisch: "Vielleicht würden Sie uns erst einmal helfen, die Sachen von der Straße zu schaffen, Frau Schubert."

Inzwischen hatte sich auf beiden Spuren in Richtung Alex ein langer Stau gebildet. Die widerlich quäkende Trabi-Hupe war aus mehreren Fahrzeugen zu hören. Ein älterer Herr mit Schiebermütze stieg aus dem Wagen und beschimpfte meine Mutter. Eine jüngere Passantin half uns dabei, die überall verstreut liegenden Zeitungen und Bücher, Gläser und Flaschen auf die gegenüberliegende Seite zu schleppen, und eine ältere Dame hantierte wie wild mit unserem Besen herum. Nicht wenige im zweiten Gang vorbeischleichende Wagenbesitzer zeigten uns einen Vogel.

Rekorderlös für die "Altstoff-Mafia"

Trotz der vielen Scherben am Straßenrand und einer wirklich mies gelaunten Mutter: Für diese einzige Lieferung bekamen wir genau 96 Mark! Das war Rekord für uns, die legendäre "Altstoffmafia".

Erst mit 14 stellte ich überrascht fest, dass ich mir von dem Geld überhaupt nichts Vernünftiges kaufen konnte. Bei der Währungsunion 1990 waren deshalb noch 1.500 Mark vom damaligen Altstoffgeld übrig, die ich 1:1 in Westgeld umgetauscht bekam - vielen Dank Herr Kohl, Herr Lepro und Sero. Kurz nach dem Mauerfall war der Planwagen zwischen unseren Häusern so plötzlich verschwunden, wie er gekommen war. Den "Herrn der Altstoffe" sah ich im Leben nie wieder. >

Bildertexte:

Bild 1: <Sammeln an Schulen: Seit Beginn des Schuljahres 1986 war der Sero-Schülerexpress im wöchentlichen Wechsel an den acht Schulen der Kreisstadt Waren unterwegs. Flaschen, Gläser und Altpapier wurden von Lehrern und Schülern gesammelt und regelmäßig abgegeben. 
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1986-1015-313

Bild 2: Mobile Abgabestelle: Kinder und Erwachsene liefern am 27. September 1983 Altstoffe bei einem Sero-Mobil ab. Der mobile Aufkaufwagen für Sekundärrohstoffe bot auch Informationsmaterial über die Verwendung der Altstoffe an. Rund 45 Prozent des Altpapiers, das in der Volkswirtschaft wieder eingesetzt wurde, kam aus Haushalten.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1983-0927-003

Bild 3: Altglas-Abgabe: Um den DDR-Bürgern die Abgabe von Altstoffen zu erleichtern, waren insgesamt 17 Sammelwagen in Berlin unterwegs. Die Wagen standen meist zwei Tage lang an derselben Stelle, wie hier am 11. Oktober 1974 im Stadtbezirk Mitte in der Berolinastraße. Rechts an der Tür hängt eine Preisliste für die wertvollen Sammelgüter. Ein Kilo Papier brachte in den Achtzigern etwa 30 Pfennig, eine Flasche meist nur fünf Pfenning.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-N1011-011

Bild 4: Revier von oben: Das Einzugsgebiet der "Altstoff-Mafia" von Marko Schubert reichte vom Leninplatz über S-Block, U-Block, Mollstraße bis hin zur Hans-Beimler-Straße. Die Luftaufnahme vom 20. September 1990 zeigt das Gebiet um die Mollstraße.

Bild 5: Altstoff-Pioniere: Marko Schubert, rechts, mit seinem kleinen Bruder Benny um 1983. Die beiden freuten sich über die Sero-Sammelstelle nahe ihres Wohnblocks in Ostberlin und sammelten in den achtziger Jahren fleißig Papier und Glas in der Nachbarschaft. Die Gewinne ihrer "Altstoff-Mafia" investierten sie am liebsten in Fußball-Wimpel.

Bild 6: Sammeln, Ordnen, Abgeben: FDJler der 8. bis 10. Klassen der Oleg-Koschewoi-Oberschule des Stadtbezirks Friedrichshain sortieren im Januar 1981 Flaschen und Gläser. Im Vorjahr hatten die Schüler der Oberschule insgesamt 9343 Mark durch das Sammeln von Sekundärrohstoffen eingenommen und auf das Solidaritätskonto überwiesen. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-Z0130-031

Bild 7: Fleißige Sammler: Die Jungen Pioniere der 18. Oberschule in Berlin-Lichtenberg sind auch in ihren Winterferien aktiv. Mit den gesammelten Altstoffen nehmen sie am "Mach mit"-Wettbewerb teil. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-L0217-020

Bild 8: Altglas aus der DDR: Während Gläser, Papier und Pappe zu Marko Schuberts "Lieblingsaltstoffen" zählten, brachten ihm Schnapspullen relativ wenig Geld ein. Doch am Ende machte es die Menge. Und die Menschen in Marko Schuberts Viertel tranken viel Schnaps.

Bild 9: Da hatte er was gut: Die Sparbucheinträge von 1984 belegen die beträchtlichen Erlöse, die Marco Schubert und sein Freund durch das Sammeln von Sekundärrohstoffen scheffelten. "Nach einer guten Tour gingen wir in die Sparkasse an der Mollstraße und zahlten die Gewinne direkt ein", erinnert er sich.

Bild 10: Wöchentliche Abgabe an der Schule: Jeden Dienstag trafen sich die Schüler der Klasse 5c der 48. Oberschule Berlin-Lichtenberg zum Altstoff-Abgabetag in der Hans-Loch-Straße. Der Erlös wurde für Solidaritätsspenden und die Klassenkasse verwendet. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-U0404-022>

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5.7.2017: Manche DDR-Waren gab es nur in der BRD zu kaufen - die Rolle des Satellitenfernsehens gegen das DDR-Regime

aus: Bericht von Kommunikationspartner R.J. aus Schweden, Ex-Franken, 5.7.2017

"stra-SAT-TV aus Luxemburg (was geringere, deshalb unauffällige Parabolgrösse ermöglicht hat) hat zweiffellos - neben Polens Soldarnosc - erheblich den Niedergang der DDR-UDSSR bewirkt - weil die Leut im Osten dadurch West-TV sehen haben können: das Einkaufsparadies dort (wofuer die im Osten gearbeitet haben, selber die von ihnen produzierten Waren aber nicht kaufen konnten!)."

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Epoch Times online,
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11.10.2017: Kindsmissbrauch in der DDR: Opfer waren zum Schweigen verpflichtet - "Wiedereinpassung des Täters ins Kollektiv" war die Massnahme - keine Aufklärung, Lösung, Hilfe - und in Heimen und Werkhöfen nochmals missbraucht
Kindesmissbrauch in der DDR: Opfer mussten schweigen denn – „sexuellen Missbrauch gab es in der DDR offiziell nicht“
"Für Betroffene war es regelrecht unmöglich, über ihre Erfahrungen zu sprechen, da es sexuellen Missbrauch in der DDR offiziell nicht gab", beklagt Stefanie Knorr von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur "Gegenwind".

Kindesmissbrauch ist in der DDR weitaus stärker tabuisiert worden als im Westen. „Sexueller Missbrauch war in der DDR ein Politikum und wurde als solches behandelt und gleichermaßen tabuisiert“, heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Expertise im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Der Analyse liegen 250 Fälle von Betroffenen zugrunde. Es sei um Bestrafung, Disziplinierung und Wiedereinpassung des Täters ins Kollektiv gegangen, „nicht um Aufklärung, Lösungsangebote oder gar Hilfen insbesondere für die Betroffenen“, lautet das Fazit. Abweichendes oder kriminelles Verhalten galt demnach in erster Linie als Angriff auf den sozialistischen Staat – und nicht auf das Opfer.

„Für Betroffene war es regelrecht unmöglich, über ihre Erfahrungen zu sprechen, da es sexuellen Missbrauch in der DDR offiziell nicht gab“, erklärte Stefanie Knorr von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur „Gegenwind“ und eine der Autoren. Professionelle Begleitung und Therapien habe es nicht gegeben. „Die sozialistische Persönlichkeit hatte frei von psychischen Auffälligkeiten zu sein“, erklärte Knorr.

Langes Schweigen wirkt bis heute

Dieses „lange Schweigen“ wirke bis heute nach, erklärte die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), die der Aufarbeitungskommission angehört. Viele Betroffene könnten nicht über den erlebten Missbrauch reden und fühlten sich „noch immer stigmatisiert“.

[Der mehrfache, sexuelle Missbrauch: Zuerst zuhause - und dann im Heim oder auf dem Werkhof]

In den schriftlichen Berichten und vertraulichen Anhörungen von Opfern fällt demnach auch eine Mehrfachbetroffenheit auf. So kam es zum Beispiel vor, dass Mädchen und Jungen ein auffälliges Verhalten aufgrund sexuellen Missbrauchs in der Familie entwickelten und daraufhin in ein Heim oder einen sogenannten Jugendwerkhof eingewiesen wurden, wo sie erneut sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Die Kontaktaufnahme nach draußen war von dort besonders schwierig, so dass Betroffene kaum Hilfe erwarten konnten.

[Vergewaltiger auch beim Ministerium für Staatssicherheit]

Täter, die für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) arbeiteten, wurden demnach zunächst aus dem Staatsdienst entlassen und bekamen einen zivilen Beruf, ehe sich Gerichte mit ihren Taten befassten. Die Zugehörigkeit zum MfS sollte in den Ermittlungsakten nicht erkennbar sein. Teilweise schuf das MfS den Tätern nach der Haftentlassung neue Legenden und setzte sie dann weiter als Inoffizielle Mitarbeiter ein.

„Missbrauch in DDR-Heimen“ - [es fehlt die Gleichstellung zu anderen Opfern von Gewalt]

Auf einer öffentlichen Anhörung zu sexuellem Kindesmissbrauch in der DDR sollten am Mittwoch in Leipzig Betroffene und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis zu Wort kommen. Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“, forderte, die Opfer sexueller Gewalt allen anderen Opfern des DDR-Regimes gleichzustellen. „Die sexuelle Gewalt in den Heimen findet bisher keine beziehungsweise wenig Beachtung.“ Zudem gebe es bis heute zu wenige Fachberatungsstellen für die Betroffenen.

Die Kommission hatte im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. (afp)"

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18.12.2017: DDR war total überwacht und terrorisiert

Angabe von Ro.W., Facebook

Merkel ist auf jeden Fall eine Spezialistin des Sozialismus, die DDR war sehr viel besser überwacht, als das NS Regime, dagegen war dieses ein Freiluft Sozialismus..D. hatte nach Weltkrieg 2, bis zur "Wiedervereinigung", die höchste Geheimdienstmitarbeiter- Dichte des gesamten Globus...

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18.9.2018: Lehrbücher aus der DDR und der Sowjetunion waren methodisch super

Angabe von Kommunikationspartner RJ, Ex-Franken, heute Schweden:

"Die Bevölkerung, die Menschen der ehemaligen DDR kenne ich teilweise und schätze sie als wunderbare Personen ein - wie auch die wenigen Russen, ua. ueber Erzählungen meiner Mutter - und einem Lehrer per dessen Berichten aus der Kriegsgefangenschaft.
Als Student hab ich Lehrbuecher aus der DDR am meisten geschätzt, weil die am verständlichsten und klarsten formuliert waren.
Da hat man richtig 'mit' gehen können.
Das hat Physikbuecher und Mathematikbuecher betroffen. Mathematikbuecher dann auch aus der damaligen Sowjetunion ins Deutsche uebersetzt, ua. den 'Fichtenholz'.
Pädagogisch war das einfach besser als der Schrott der einem im Westen teilweis vorgesetzt war, weils ja immer um den Abverkauf gehen hat muessen. Und die Relativitätstheorie um die sich alles drehen hat sollen.
Aber auch sonst stiess ich auf viele kluge Buecher aus der DDR und Sowjetunion."

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BRD-Schwindel
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24.9.2018: Die Stasi-Mobilmachung im Ernstfall gegen neuen Volksaufstand nach 1953 - der "Vorbeugekomplex" für Oppositionelle bis 1989 - Schlösser als Isolationszentren
Direktive 1/67 – „Honeckers unheimlicher Plan“
http://brd-schwindel.ru/direktive-167-honeckers-unheimlicher-plan/

<von ET

Direktive 1/67“ steht auf dem braunen Hefter. In der rechten Ecke prangt der Stempel „Geheime Kommandosache“. Über die Mobilmachung im Ernstfall innerhalb der DDR-Stasi haben die Berliner Filmemacher Katharina und Konrad Herrmann eine Dokumentation gedreht, die am 1. Oktober zu sehen sein wird.

Besonders brisant ist dabei die geplante Inhaftierung von Oppositionellen in Isolierungslagern. Über dieses Kapitel der DDR haben nun die Berliner Filmemacher Katharina und Konrad Herrmann eine Dokumentation gedreht. Ausgestrahlt wird der Film „Honeckers unheimlicher Plan“ am kommenden Montag (1. Oktober) um 23.30 Uhr im Ersten.

Vor etwa zwei Jahren stießen die Dokumentarfilmer in einem Newsletter des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen auf das Thema. Dem ersten Hinweis folgte eine monatelange Suche in den Archiven. Ziel der Direktive war es seinerzeit, einen Volksaufstand wie am 17. Juni 1953 schon im Keim zu ersticken. Der Plan sollte deshalb im Falle von Krisen in der DDR-Gesellschaft potenzielle Staatsgegner sofort durch Verhaftung und Isolierung zum Schweigen bringen.

Ein spezielles  Codewort an alle 211 Kreisdienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Land sollte am „Tag X“ eine ungeheure Maschinerie in Gang setzen. Im „Vorbeugekomplex“ wurden bis zum Herbst 1989 durch das MfS 85 000 DDR-Bürger geführt. Im Ernstfall hätten sie innerhalb von 24 Stunden verhaftet und isoliert werden können.

Ins Visier gerieten Ausreisewillige, Friedens- und Ökoaktivisten, Bürgerrechtler, regimekritische Schriftsteller wie auch politisch unsichere Betriebsdirektoren. Anhand der Stasi-Dokumente sowie von Zeitzeugenberichten rekonstruiert der Film dieses gewaltige Planspiel von erschreckender Präzision. Einer dieser „Staatsfeinde“ ist Rudolf Keßner aus Weimar. Der Schriftsetzer nutzte sein Ladenschaufenster als „Alternative-Litfaßsäule“, um über Wehrdienst oder Rechte und Pflichten von Ausreisewilligen aufzuklären. Im Film sagt er:

„Wir waren ganz normale Leute, die für Veränderung, für normale demokratische Veränderungen waren, normal leben und nicht eingemauert sein wollten“.

In der Erklärung der Stasi-Akten heißt es:

„K. tritt als Organisator des politischen Untergrunds auf…“.

Für K. planten sie die Isolierung auf Schloss Beichtlingen in der Nähe Erfurts.

Die Filmemacher wollten auch die „Gegenseite“ hören. Doch von den ehemaligen Mitarbeitern der Stasi seien sie radikal abgeblockt worden, sagt Konrad Herrmann. Trotzdem konnten für das Projekt zwei SED-Kenner gewonnen werden, die einen Einblick in die Denkweise der damals Verantwortlichen geben.

Für Katharina und Konrad Herrmann ist ihre Dokumentation ein Stück DDR-Geschichte.

„Wir haben den Film für die jungen Zuschauer gemacht, die sich mit dem Phänomen Diktatur auseinandersetzen wollen, für jene, die in der DDR gelebt haben und sich vielleicht Fragen nach den Gründen für Handlungen stellen und für alle, die deutsch-deutsche Geschichte differenzierter verstehen wollen“, sagt die Produzentin.

Freuen würde es die Dokumentarfilmer, wenn „Honeckers unheimlicher Plan“ zum Dialog der Generationen beitragen könnte. Bei der Beschäftigung mit dem Thema sei ihnen bewusst geworden, was es bedeutet in einer Demokratie zu leben, frei seine Meinung äußern zu können und ein Leben zu führen, wie man es will.

„Unser Film erzählt von Menschen, die dafür von der Stasi beobachtet und zu Feinden der Gesellschaft erklärt wurden“, sagt der Regisseur. (dpa)>

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Kronenzeitung
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26.9.2018: Neuer Film über die Flucht aus der DDR mit einem Ballon
DDR-Drama: Mit dem „Ballon“ auf der Flucht in die Freiheit
https://www.krone.at/1778616

<Ballonfahren ist ein Spiel mit dem Feuer - noch dazu unter widrigen Umständen: Thüringen 1979. Die Familien Strelzyk (Friedrich Mücke, Karoline Schuch) und Wetzel (David Kross, Alicia von Rittberg)  wollen mit ihren Kindern mit einem selbstgenähten Heißluftballon die rund 60 km in den Westen überwinden. Es ist dies der zweite Versuch. Als Stasi-Oberstleutnant Seidel (Thomas Kretschmann) einen Tipp von einer Stoffverkäuferin bekommt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Michael Bully Herbig, bislang auf Komödien spezialisiert, hat die wahre Geschichte einer spektakulären DDR-Flucht als spannenden Thriller verfilmt, die in einem nervenaufreibenden Showdown  mit Kampfhubschraubern gipfelt. Viel mehr als heiße Luft, sind doch auch die Charaktere fein ziseliert. „Bully-Parade“ war gestern!>

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Epoch
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1.11.2018: DDR-Kindergefängnis: Staatsanwaltschaft untersucht Todesfälle im ehemaligen DDR-Durchgangsheim Bad Freienwalde

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Epoch Times online,
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1.3.2019: STASI überwachte auch die Kripo in West-Berlin:
Stasi der DDR überwachte auch die Kriminalpolizei in West-Berlin

Die Staatssicherheit der DDR überwachte auch die Kriminalpolizei im Westteil Berlins. Auch spätere RAF-Mitglieder wurden beobachtet. Mehr»

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Sputnik-Ticker
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8.5.2019: Proteste gegen Honecker-Regime kamen aus gefälschten Kommunalwahlen:
„Eine nicht notwendige Dummheit“: Wie und warum die DDR-Kommunalwahl 1989 gefälscht wurde
https://de.sputniknews.com/politik/20190508324906722-ddr-kommunalwahl-faelschungen-proteste/

<Tilo Gräser

Die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 hatten vorgegebene Ergebnisse. Diese Wahlfälschung gilt allgemein als einer der Auslöser vor 30 Jahren für die Proteste der DDR-Bürger gegen die Partei- und Staatsführung. Zeitzeugen haben in Berlin daran erinnert. Dabei wurde auch ein hohes Maß an subjektivem Empfinden offenbar.

Die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 hatten vorgegebene Ergebnisse. Diese Wahlfälschung gilt allgemein als einer der Auslöser vor 30 Jahren für die Proteste der DDR-Bürger gegen die Partei- und Staatsführung. Zeitzeugen haben in Berlin daran erinnert. Dabei wurde auch ein hohes Maß an subjektivem Empfinden offenbar.

Stefan Müller wurde 1989 von der DDR-Staatssicherheit mehrmals verhaftet. Er hat damals gemeinsam mit Freunden und anderen Aktivisten in Berlin auf die gefälschte Kommunalwahl vom 7. Mai des Jahres in der DDR aufmerksam gemacht. Das geschah an jedem 7. der Folgemonate und im September 1989 auf dem Alexanderplatz. Dort wurden sie von Mitarbeitern der Staatssicherheit wieder verhaftet, was laut Müller ziemlich brutal geschah. Ihm wurde der rechte Arm gebrochen, wie er sich am Dienstag erinnerte.

Gemeinsam mit Evelyn Zupke, einer Aktivistin aus Berlin-Weißensee, berichtete der Berliner, wie er vor 30 Jahren auf die Wahlfälschung aufmerksam zu machen versuchte. Gemeinsam mit der Historikerin Anja Schröter und dem „Spiegel“-Journalisten Peter Wensierski sprachen beide über die letzten DDR-Kommunalwahlen in Berlin und deren Folgen.

„Keinen Bock mehr auf den Mist“

Der heutige Sozialarbeiter Stefan Müller sagte, er habe damals jede Möglichkeit gesucht, um das „marode System“ der DDR zu ärgern. „Wir sind junge Leute gewesen, wollten an den Veränderungen beteiligt werden und sind ausgegrenzt worden.“ So beschrieb er die damalige Stimmung in seinem Freundeskreis, der vor allem aus Wehrdienst-Totalverweigerern bestanden habe. „Wir hatten keinen Bock mehr auf den Mist.“ Sie hätten den DDR-Funktionären und -Mächtigen zeigen wollen: „Ihr nervt uns und habt das Land runtergeritten!“

Er sei nicht kirchlich gewesen, obwohl sein Vater Pastor war. Aber da die Kirchen in der DDR der einzige Ort waren, wo sich oppositionelle Gruppen treffen konnten, sei er mit zum „Friedenskreis“ in Berlin-Weißensee gegangen. Den hatte Evelyn Zupke mit anderen organisiert, wo die beiden dann aufeinander trafen.

Mit anderen, unter ihnen ein „Inoffizieller Mitarbeiter“ (IM) der Staatssicherheit, haben sie sich damals darauf vorbereitet, die Stimmauszählungen am 7. Mai 1989 zu beobachten. Das war nach dem DDR-Wahlgesetz möglich, wurde ihnen aber mit zum Teil absurden Begründungen erschwert. Gemeinsam organisierten sie danach die Proteste gegen die offiziell verkündeten, falschen Ergebnisse.

Offensichtlich falsches Ergebnis

Was beide aus ihrer Erinnerung berichteten, das gehörte zu den DDR-weiten Protesten nach der Kommunalwahl im Mai 1989. Die war, laut Historikerin Schröter, ein Katalysator für die gestiegene Unzufriedenheit und die zunehmenden Proteste in der DDR-Bevölkerung. Dazu trug bei, dass Egon Krenz, Leiter der zentralen Wahlkommission, am Abend des 7. Mai 1989 verkündete, 98,85 Prozent der Wahlberechtigten hätten mit Ja für die Einheitsliste der „Nationalen Front“ gestimmt, und es hätte nur 1,15 Prozent Nein-Stimmen gegeben.

Doch das war eine offensichtliche Falschmeldung, denn Wahlbeobachter in zahlreichen DDR-Städten hatten festgestellt, dass es bis zu zehn Prozent Nein-Stimmen gab. In Berlin-Weißensee wurden beispielsweise amtlich 1.011 Nein-Stimmen bei 42.007 gültigen Stimmen für den Wahlvorschlag verkündet, wie Müller und Zupke am Dienstag berichteten. Sie präsentierten ihre damalige Auswertung, nach der es in 66 von 67 Wahllokalen 2261 Nein-Stimmen und 25.797 Ja-Stimmen gegeben hatte. Auch sei offiziell die Wahlbeteiligung deutlich höher angegeben worden, als sie tatsächlich war.

Wahlkabinen im Abseits

Moderator Wensierski ließ sich im „Stasi-Unterlagenarchiv“ im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) von den beiden Aktivisten erklären, wie diese Wahl nach bewährtem DDR-Muster funktionierte. Dazu habe es einen Wahlzettel mit einer Einheitsliste von Kandidaten der „Nationalen Front“ gegeben. In dieser waren die fünf Parteien der DDR, allen voran die SED, zusammengefasst.

Traditionell mussten und konnten die Wähler auch im Mai 1989 nicht zwischen verschiedenen Kandidaten wählen. Sie sollten eigentlich nur den Wahlzettel falten und in die Wahlurne einwerfen, was als Ja-Stimme gewertet wurde. Zwar habe es in den Wahllokalen auch Wahlkabinen gegeben, erinnerte Zupke. Aber die hätten so gestanden, dass alle, die sie benutzen wollten, einen längeren Weg vor den Augen der offiziellen Wahlhelfer bewältigen mussten.

Das habe dazu geführt, dass viele die Kabinen gar nicht erst benutzten, so Zupke. Dazu habe „eine gehörige Portion Mut“ gehört, behauptete Moderator Wensierski. Zupke meinte, wer das tat, hätte danach Ärger bekommen. Der Autor dieser Zeilen hat das nach der Wahl am 7. Mai 1989 nicht erlebt, nachdem er die Wahlkabine benutzte und in dieser mit „Nein“ stimmte. Allerdings lag dafür in der Kabine tatsächlich nur ein Bleistift aus.

Wahlergebnis auf Anordnung von oben

Allerdings war es nicht so einfach, eine gültige Nein-Stimme abzugeben. Wer nicht alle Namen der Kandidaten einzelnen durchgestrichen hatte und sein „Nein“ anders kundtat, dessen Wahlzettel wurde als Ja-Stimme gezählt, berichteten die Zeitzeugen am Dienstag. Sie wollten damals mit ihrer vorbereiteten Wahlbeobachtung und ihren Protesten bei den DDR-Behörden danach auf den Betrug an den Wählern aufmerksam machen und die DDR-Bürger wachrütteln, wie sie erklärten.

Die falschen offiziellen Ergebnisse kamen auf Anordnung von oben zustande. In Ost-Berlin hatte der damalige Oberbürgermeister Erhard Krack von der SED den Stadtbezirken bereits vor dem Wahltag die Prozente der Ja-Stimmen vorgegeben. Ähnliches ist aus den anderen DDR-Bezirken bekannt geworden. Auch die Reaktionen auf die erwarteten Proteste gegen die Ergebnisse seien vorbereitet worden, berichteten die Podiumsteilnehmer am Dienstag. So habe Staatssicherheitsminister Erich Mielke persönlich vorgegeben, wie die Antworten auf die Eingaben von Bürgern zu formulieren seien.

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© Sputnik / Tilo Gräser
von links: S. Müller, Dr. A. Schröter, E. Zupke und Moderator P. Wensierski

Krenz heute: „Nicht notwendige Dummheit“

„Das war natürlich eine Dummheit, die wir selbst zu verantworten hatten.“ So kommentierte 30 Jahre später der damalige Leiter der DDR-Wahlkommission Egon Krenz gegenüber Sputnik die Wahlfälschung. Er verwies darauf, dass das DDR-Wahlgesetz noch aus den 1950er Jahren stammte und nicht mehr zeitgemäß war.

„Die Sache wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Ein anderes Ergebnis hätte überhaupt nichts an den Machtverhältnissen in der DDR geändert.“ Das sei zwar korrigierbar gewesen, habe aber die Stimmung in der DDR negativ verändert, gestand Krenz ein. Er habe aber nicht zur Wahlfälschung angestiftet, sagte er. Das habe ein entsprechendes Strafverfahren gegen ihn bewiesen, das ohne Urteil gegen ihn endete. Insgesamt seien 20 DDR-Funktionäre wegen der gefälschten Wahlergebnisse vom 7. Mai 1989 in der vereinigten Bundesrepublik angeklagt und verurteilt worden, hieß es am Dienstag.

Freie Wahlen ohne Sieg der Bürgerbewegung

Die beiden damaligen Wahlbeobachter Zupke und Müller meinten, sie seien enttäuscht gewesen, dass dann bei den letzten und freien Wahlen der DDR am 18. März 1990 zur Volkskammer die Bürgerbewegten so schlecht abschnitten. Ihre Vertreter in verschiedenen Gruppen bekamen damals insgesamt nur knapp über fünf Prozent. Großer Sieger war die ehemalige Blockpartei CDU mit 40,8 Prozent, bereits von der bundesdeutschen Schwester-Partei gleichen Namens unterstützt. Damit wurde der Weg in die schnelle Einheit geebnet.

„Die Stimmung war: Da sind wir wieder fünf Prozent unter uns“, erinnerte sich Müller an den Wahlausgang. Aber ihm und seinen Freunden sei auch klar gewesen, dass es eine demokratische Entscheidung war, bei der sich die Mehrheit der DDR-Wähler für den Westen entschieden habe. Er habe gedacht: „Das ist immer noch besser, als den Osten zu behalten.“

Immer noch Angst vorm Sozialismus?

Der einstige Bürgerbewegte aus der DDR betonte wie seine Mitstreiterin Zupke, mit Blick auf die Wahlen in diesem Jahr, es sei wichtig, wählen zu können und zu gehen. Und fügte hinzu, dass er neben rechten Parteien auch die aus der SED hervorgegangene Partei Die Linke für weiterhin „unwählbar“ halte. In deren zweiter Reihe „sitzt noch die alte Garde“, behauptete Müller tatsächlich.

Ein ähnlich eigenartiges politisches Urteilsvermögen hatte die einstige Aktivistin Zupke am selben Tag, Stunden vorher, in einem Interview mit dem Sender „Deutschlandfunk“ gezeigt. Dessen Moderator hatte sie gefragt, was sie von den Ideen des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert halte, Konzerne wie BMW zu kollektivieren – obwohl es um die DDR-Kommunalwahl vor 30 Jahren ging. Zupke sieht solche Gedanken als „Verhöhnung weiter Teile der Gesellschaft der ehemaligen DDR“. Sie wollte Kühnert am liebsten „ein Ticket nach Venezuela, Nordkorea oder Kuba schenken, damit er sich ein Bild machen kann über die realen Konsequenzen seiner Fantasien“.>

Links:

Die Abwicklung unter Kohl ab 1989 - Ostdeutschland wurde voll verkohlt: Untergang der DDR-Wirtschaft ab 1990: Unvermeidbar oder politisch gewollt?
Vor 30 Jahren in der DDR: Außer „Mauerfall“ nichts gewesen?
Ein Comic auf Zeitreise: 750mal „Mosaik“ – aus der DDR in die weite Welt
Zentrum „Aufbruch Ost“ statt „DDR-Museum“ – Kommission plant Jubiläen von 1989 und 1990

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10.5.2019: Die politischen Opfer in der DDR sind vergessen:
Vergessen mit System: Opfer des SED-Regimes kaum noch im Bewusstsein der Deutschen präsent


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