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Organhandel in China. Meldungen

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Kommentar: Umweltschutz, Bio-Landwirtschaft und Blutgruppenernährung würde einen Rückgang bei den benötigten Spenderorganen bewirken und würden den Organhandel reduzieren

Es ist so, dass dann viele Menschen neue Organe brauchen, wenn viel Gifte in der Nahrung sind, die Nieren und Lebern und anderen Organen schaden. In China gibt es einen riesigen Bedarf an Spenderorganen. Das heisst, scheinbar ist dort die Nahrung mit sehr vielen Schadstoffen belastet, so dass in China viele Menschen kaputte Nieren und Lebern haben.

Statt immer neue Spenderorgane zu organisieren, die Gefangenen entnommen worden sind, wäre es besser, wenn die chinesische Regierung den Umweltschutz und die biologische Landwirtschaftsproduktion privilegieren würde, und wenn die Böden entgiftet würden, denn so würden automatisch viel weniger Organe geschädigt, und man bräuchte viel weniger Spenderorgane. Die Propagierung der Blutgruppenmedizin würde weiter dazu beitragen, dass die Rate von benötigten Spenderorganen zurückgeht.

Gleichzeitig ist es klar, dass mehr Organe benötigt werden, je älter eine Gesellschaft wird. Um so bedeutender wären Umweltschutz, Bio-Landwirtschaft und Blutgruppenmedizin.

Aber scheinbar weiss das die chinesische Regierung nicht, schade.

Michael Palomino, 29.7.2010

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28.3.2006: Peking schränkt Organhandel ein

aus: Peking verbietet Organhandel; Basler Zeitung 28.3.2006
http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=4111CEFC-1422-0CEF-70F2E4369CC33098

<Peking. DPA/baz. Das Pekinger Gesundheitsministerium will kommerziellen Organhandel in China verbieten und strengere Kontrollen für Transplantationen einführen. Die neuen Bestimmungen sollen von Juli an gelten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag berichtete. Die vorläufige Regelung verbiete Organhandel jeder Art und verlange die Vorlage einer schriftlichen Einverständniserklärung des Spenders, zitierte die Agentur den Sprecher des Ministeriums, Mao Qun'an.

Krankenhäuser, die Transplantationen durchführen wollen, müssen sich registrieren lassen und die legale Herkunft des Organs nachweisen. Die Spender sollen die genaue medizinische Verwendung ihres Organs erfahren, müssen zuvor zugestimmt haben und sollen ihre Entscheidung bis zur letzten Minute widerrufen dürfen. Die Vorschriften gehen Kritikern aber nicht weit genug, da der Ursprung der Organe, die Verwaltung des Spenderverfahrens sowie die Definition des Gehirntods aus ihrer Sicht nicht ausreichend angesprochen werden.

Die Mehrzahl der Organe stammt in China von hingerichteten Straftätern. Mit schätzungsweise 8000 Exekutionen im Jahr werden in China mehr Menschen hingerichtet als im Rest der Welt zusammen.>

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China 26.8.2009: Angeblich neues Organspendesystem für Hingerichtete

aus: 20 minuten online: China: Spenderorgane aus dem Todestrakt; 26.8.2009;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/11411202

<Die Mehrzahl der in China transplantierten Organe stammen einer staatlichen Zeitung zufolge von hingerichteten Gefangenen. Doch nun krebst die Regierung zurück.

Rund 65 Prozent der Spenderorgane kämen aus dem Todestrakt, schrieb die Zeitung «China Daily» am Mittwoch. Das Blatt zitierte den stellvertretenden Gesundheitsminister Huang Jiefu mit den Worten, die Häftlinge müssten ihr schriftliches Einverständnis für die Organspende geben. Dennoch handle es sich «nicht um eine angemessene Quelle».

Um Missbrauch zu verhindern, haben das Rote Kreuz und das Gesundheitsministerium dem Bericht zufolge am Dienstag ein neues Organspendesystem eingeführt. Nur rund ein Prozent der schätzungsweise eine Million Menschen in China, die auf eine Transplantation angewiesen sind, erhalten nach Informationen der Zeitung ein Spenderorgan. Der illegale Organhandel ist daher zu einem lukrativen Geschäft geworden.

(ddp)>

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29.7.2010: Ex-Polizist Nijiati Abudureyimu berichet über den Organhandel in China: Die Polizei-Mafia verkauft die illegal entnommenen Organe von Hingerichteten - der Plan, dies der UNO in Genf zu präsentieren, misslingt

Herr Abudureymi wollte sich als Zeuge von Hinrichtungen und illegalen Organentnahmen in China präsentieren und wollte den Skandal an der UNO in Genf vorlegen. Nun, irgendwie ist er falsch vorgegangen. Statt einen sicheren Aufenthalt zu organisieren, sich in einer Gruppe zu orientieren und ein Buch für die breite Öffentlichkeit zu schreiben, wollte er direkt als Zeuge allein auftreten, ohne Einladung. Das ging bis jetzt irgendwie schief. Aber lesen Sie selbst:

aus: 20 minuten online: Genf: Der unbequeme Zeuge; 29.7.2010; http://www.20min.ch/news/schweiz/story/30367416

<Jahrelang war Nijiati Abudureyimu dabei, als Hingerichteten in China die Organe zwecks Weiterverkauf entnommen wurden. Doch in Europa will ihn niemand hören. Jetzt wurde er in Neuenburg [wegen illegalen Aufenthalts] verhaftet.

Nijiati Abudureyimu, Portrait
Nijiati Abudureyimu, Portrait

Ein sichtlich nervöser Nijiati Abudureyimu beim Interview mit «Le Temps» am Montag in Neuenburg. (Bild: Frédéric Koller/Le Temps)

Nijiati Abudureyimu ist auf der Flucht. Nicht vor der Polizei, weil mehrere seiner Asylanträge in Europa abgelehnt wurden. Sondern vor dem chinesischen Geheimdienst, der ihm auf den Fersen ist. Abudureyimu fürchtet um sein Leben. Denn der Uigure weiss zu viel. Zu viel über die Machenschaften der kommunistischen Machthaber in der Provinz Xinjiang, wo die muslimische Volksgruppe der Uiguren von der chinesischen Staatsmacht seit Jahren unterdrückt wird.

Zehn Jahre war Nijiati Abudureyimu Teil dieses Staatsapparates. Er arbeitete für die Spezialpolizei von Urumqi, der Hauptstadt der Provinz Xinjiang. Gegenüber der Genfer Zeitung «Le Temps» erzählte der Ex-Polizist davon, wie er in den Jahren 1993 bis 1997 die Todeskandidaten vor das Erschiessungskommando führte. In dieser Position als Scherge des Unterdrückungsapparats kam er an hochbrisante Information darüber, wie gewissen Todeskandidaten Organe entnommen und anschliessend – für die lokalen Behörden höchst lukrativ – verkauft werden. Diese Praxis ist nicht unbekannt. 2009 schrieb sogar die englischsprachige staatliche Zeitung «China Daily», dass wohl zwei Drittel aller gespendeten Organe in China von Hingerichteten stammen. Dennoch sind kaum Details bekannt. Die könnte Nijiati Abudureyimu liefern.

Europäische Odyssee

Er will vor der UNO in Genf Zeugnis ablegen über die Machenschaften der Parteikader in seiner Heimat. Doch dazu wird es nicht kommen. Nijiati Abudureyimu hält sich illegal in Europa auf und wurde am Dienstagmorgen von der Polizei in Neuenburg verhaftet. Sein Gesuch um Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz ist abgelehnt worden. Denn Abudureyimu kam 2008 über Rom nach Europa. Laut dem Dubliner Abkommen muss somit Italien darüber entscheiden, ob er in Europa Asyl erhält. Im Juli 2009 wurde er bereits aus Norwegen nach Italien abgeschoben. Doch dort fühlt er sich nicht sicher.

Weil er nach seinem Austritt aus dem Polizeidienst in Xinjiang um sein Leben fürchtete, verliess Abudureyimu China 2007 mit Hilfe alter Kontakte bei der Polizei in Richtung Dubai. Dort kam er bei einem Verwandten unter. Doch dort sei er von chinesischen Agenten bedroht worden, sagte er gegenüber «Le Temps», und wollte deshalb nach Norwegen emigrieren. Es gelang ihm, von Italien ein Schengen-Visum zu erhalten. So kam es, dass er einen Flug via Rom buchte und dort im September 2008 eine Nacht verbrachte, bevor er nach Oslo weiterflog. Auch in Norwegen, wo er ein erstes erfolgloses Asylgesuch stellte, war er nicht sicher. In dem Lager, wo er Unterschlupf fand, bedrohten ihn andere Uiguren, die er für chinesische Agenten hielt. Zwei Monate später starb sein Vater in Xinjiang unter mysteriösen Umständen.

Schweiz nicht zuständig

Im Juni 2009 musste Abudureyimu Norwegen wieder verlassen. In Italien deponierte er ein zweites Asylgesuch. Dort wurde er während fünf Monaten von einem Lager ins andere geschickt. Auf Sizilien schliesslich beobachtete er, wie ein Chinese Handyfotos von ihm machte. Da entschloss er sich im November 2009, in die Schweiz einzureisen, wo er ein drittes Asylgesuch stellte. Wieder ohne Erfolg. Das Bundesverwaltungsgericht verwies auf das Dubliner Abkommen. Damit ist die Abschiebung nach Italien beschlossene Sache. Doch der Uigure ist überzeugt, dass er in Italien, wo 300 000 Chinesen leben, nicht sicher ist. Er weiss, wovon er spricht. Er war selbst zehn Jahre Teil des chinesischen Sicherheitsapparats und kennt dessen Machenschaften.

So bleibt Nijiati Abudureyimu weiter ein Gefangener des europäischen Asylsystems und seine Botschaft ungehört. Sehr zum Bedauern von Ethan Gutmann, von der amerikanischen Stiftung für die Verteidigung der Demokratien. Der angesehene Chinaspezialist hält Abudureyimu für einen zentralen Zeugen, was den Handel mit Organen von Hingerichteten betrifft. «Jede Zeugenaussage, die direkt aus dem Sicherheitsapparat kommt, ist äusserst wichtig, besonders aus einer Krisenregion wie Xinjiang. Umso mehr, wenn es dabei um ein so brisantes Thema wie die Entnahme von Organen geht», sagte der US-Forscher gegenüber «Le Temps». Er hält Abudureyimu für glaubwürdig, liegt ihm doch eine Aussage eines uigurischen Arztes aus Urumqi vor, der die Praxis der Organentnahme bei Hingerichteten bestätigt. Doch formelle Beweise bleiben rar. Ob Abudureyimus Aussagen jemals eine breite Öffentlichkeit finden werden, hängt nun von den italienischen Asylbehörden ab. Und die arbeiten sehr langsam, wie die Erfahrung zeigt.

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Schweiz 29.7.2010: Der chinesische Zeuge von Organentnahmen bei Hingerichteten - Nijiati Abudureyimu - soll nach Italien abgeschoben werden

aus: 20 minuten online: Nach Flucht aus China: Bern will den unbequemen Zeugen loshaben; 29.7.2010;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/11907827

<Nijiati Abudureyimu, der in China die Entnahme von Organen Hingerichteter beobachtet hat, fürchtet um sein Leben. Trotzdem hält Bern seine Abschiebung nach Italien für richtig.

Alard du Bois-Reymond verteidigt die Abschiebung des Ex-Polizisten nach Italien. (Bild: Keystone)

Das Schicksal des Uiguren Nijiati Abudureyimu bewegt. Als Polizist in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang wurde er Zeuge des florierenden Handels mit Organen von hingerichteten Menschen. Seit seinem Austritt aus dem Polizeidienst und der anschliessenden Flucht nach Europa sieht er sein Leben durch den chinesischen Geheimdienst bedroht. Besondere Gefahr droht ihm laut eigenen Aussagen in Italien. Doch genau dorthin wird er nun ausgeliefert, nachdem sein Gesuch um Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz abgelehnt worden ist. Denn Abudureyimu ist via Rom nach Europa eingereist. Damit hat laut Dubliner Abkommen Italien über sein Asylgesuch zu entscheiden. Am Dienstag ist Nijiati Abudureyimu in Neuenburg in Polizeigewahrsam genommen worden und soll via Genf nach Rom ausgeflogen werden.

Der Neuenburger Regierungsrat Frédéric Hainard, zuständig für das Asylwesen im Kanton, erklärt gegenüber der Genfer Zeitung «Le Temps», dass er den Fall verfolge, die Zuständigkeit aber beim Bundesamt für Migration (BfM) liege. Er hält die Auslieferung nach Italien für angemessen, denn auch eine direkte Abschiebung Abudureyimus nach China wäre eine Option gewesen.

Alard du Bois-Reymond, der Direktor des BfM, bestätigt, dass in einzelnen Fällen abgewiesene Asylbewerber direkt nach China ausgeschafft worden sind. Allerdings werde bei jedem Fall gesondert untersucht, ob der betreffenden Person im Heimatland Gefahr drohe. Laut Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte ist in diesem Fall eine Rückschaffung nicht zulässig.

BfM hält Italien für sicher

Bei Nijiati Abudureyimu ist davon auszugehen, dass sein Leben in China bedroht ist, wird er doch von namhaften Experten als zentraler Zeuge für die dunklen Machenschaften des chinesischen Polizeiapparats bezeichnet. Und auch in Italien fühlt sich der Ex-Polizist von chinesischen Geheimagenten bedroht, wie er am Montag vor seiner Festnahme erklärt hatte. Alard du Bois-Reymond teilt diese Ansicht nicht. «Es gibt keine mir bekannten Probleme mit Italien», erklärte er gegenüber «Le Temps». Er sieht den Uiguren in Italien nicht stärker gefährdet als in der Schweiz.

Der Optimismus des BfM wird von Mélanie Müller-Rossi nicht geteilt. Die Juristin des Centre Social Protestant (CSP) in Neuenburg, wo Abudureyimu in der Schweiz untergebracht war, sagte gegenüber «Le Temps»: «Die Behörden in Bern sind sich der Situation in Italien nicht bewusst, was den Zugang zum Asylverfahren und eine menschenwürdige Aufnahme betrifft. Sie geben sich damit zufrieden, auf die Tatsache zu verweisen, dass Italien die internationalen Abkommen unterzeichnet hat. Das BfM wendet das Dubliner Abkommen sehr unflexibel an. Dies obwohl darin vorgesehen ist, dass einzelne Staaten ein Asylgesuch auch dann selber behandeln können, wenn der Gesuchsteller über ein Drittland in den Schengenraum eingereist ist.»

Als letzte Hilfeleistung hat Nijiati Abudureyimu vom CSP einige Adressen von Rechtsbeiständen in Italien erhalten. Doch Müller-Rossi hat wenig Hoffnung für den Ex-Polizisten, denn diese Stellen sind in Italien angesichts der Schwemme von Anfrage noch stärker überlastet als in der Schweiz.

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30.7.2010: Nijiati Abudureyimu verweigerte das Flugzeug nach Rom - und bleibt vorerst in der Schweiz

aus: 20 minuten online: Organhandel in China: Der unbequeme Zeuge darf bleiben - vorerst; 30.7.2010;
http://www.20min.ch/news/schweiz/story/29020209

<Bekommt Nijiati Abudureyimu in der Schweiz doch ein Asylverfahren? Weil er sich weigerte, das Flugzeug nach Rom zu besteigen, kann er vorerst nicht ausgeliefert werden.

Nijiati Abudureyimu ist zurück in Neuenburg, wo am Montag diese Bild entstand. (Bild: Frédéric Koller/Le Temps)

Der Ex-Polizist Nijiati Abudureyimu ist zurück in Neuenburg. Dort, wo er vor drei Tagen in Ausschaffungshaft gesetzt wurde. Der Uigure, der in China den regen Handel mit Organen Hingerichteter beobachtet hatte, sollte gestern Morgen mit dem Flugzeug nach Rom ausgeschafft werden. Doch dazu kam es nicht. «Die Polizei hat mir gesagt: In Rom wirst du freigelassen. Ich sagte nein, ich werde extreme Mittel anwenden, um nicht nach Italien zu müssen. Die Polizei hat mir dann gesagt: Du kannst nicht nach Rom, aber du musst zurück nach Neuenburg.» So schilderte Abudureyimu gegenüber der Genfer Zeitung «Le Temps» seine Weigerung, in Genf das Flugzeug nach Rom zu besteigen.

Abudureyimu darf nun vorerst in der Schweiz bleiben. Am gestrigen 29. Juli ist die Frist abgelaufen, in der er gemäss Dubliner Abkommen hätte nach Italien abgeschoben werden können. Nach Italien deshalb, weil er 2008 via Rom in den Schengenraum eingereist war. Damit wäre Italien für das Asylverfahren zuständig. Doch in Italien mit seiner starken chinesischen Gemeinschaft fühlt sich Abudureyimu seines Lebens nicht sicher. Er fürchtet, dass ihn Geheimagenten aus China zum Schweigen bringen wollen. Zu brisant sind seine Informationen über die dunklen Machenschaften des Sicherheitsapparats in seiner Heimat, der chinesichen Provinz Xijiang.

Verfahren in der Schweiz möglich

Noch kann Abudureyimu aber nicht aufatmen. Gegenüber «Le Temps» äusserte sich Michael Glauser vom Bundesamt für Migration (BfM) zum weiteren Vorgehen: «Es gibt jetzt zwei Optionen. Zuerst werden wir die Möglichkeit prüfen, in Italien eine neue Auslieferungsfrist zu beantragen. Wird diese von Italien gewährt, werden wir einen neuen Flug organisieren. Lehnt Italien ab, wird das Asylverfahren in der Schweiz eröffnet.» Die Erfahrung zeigt, dass aus Italien grundsätzlich keine Antwort kommt, wenn die Schweiz um die Wiederaufnahme eines Asylbewerbers bittet. Erhält Abudureyimu in der Schweiz kein Asyl, müsste er somit nach China ausgeliefert werden.

Yves Brutsch, Sprecher für Asylfragen des Centre Social Protestant in Genf, sagt dazu: «Es handelt sich hier offensichtlich um jemand, dem Asyl gewährt werden muss. Sollte er nach China ausgeschafft werden, droht ihm Verfolgung. Er hat der internationalen Gemeinschaft wichtige Dinge mitzuteilen. Das ist ein besonderer Fall.» Brutsch erinnert daran, dass das Abkommen von Dublin der Schweiz erlaubt, ein solches Gesuch selber zu behandeln. «Es ist eine Frage des politischen Willens.»

Für Nijiati Abudureyimu gilt es nun abzuwarten. «Ich weiss nicht, was nun geschehen wird», sagte er gestern. «Meine Rückkehr nach Neuenburg ist eine gute Nachricht. Aber ich brauche jetzt einen Anwalt und 3000 Franken.» In Neuenburg kann sich Abudureyimu frei bewegen. Regierungsrat Frédéric Hainard, in Neuenburg für das Asylwesen zuständig, hat entschieden, dass der Uigure in einem Asylbewerberzentrum untergebracht wird.

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n-tv online, Logo

30.5.2013: <Neues Programm vermittelt Herz und Nieren per SMS: Organe Hingerichteter in China bald tabu>

aus: n-tv online; 30.5.2013;
http://www.n-tv.de/panorama/Organe-Hingerichteter-in-China-bald-tabu-article10735256.html

<Per SMS erfahren die Patienten, dass ein Organ zur Verfügung steht.

Bislang stammen die meisten Spenderorgane in China von hingerichteten Straftätern. Jetzt soll ein neues Verteilungssystem diese Praxis beenden. Eine transparente und gerechte Regelung soll auch die schlechte Spendebereitschaft der Chinesen wieder ankurbeln. Denn dem Land fehlt es massiv an Organen.

China mangelt es an Spenderorganen. Die Spendebereitschaft der Bevölkerung ist äußerst schwach. Nicht nur aus kulturellen Gründen, sondern vor allem, weil die Menschen befürchten, dass die gespendeten Organe missbraucht würden. Ein funktionierendes System für Organtransplantationen gibt es China bislang nämlich nicht. Der Großteil der Organe stammt von hingerichteten Straftätern – eine äußerst umstrittene Praxis. Doch es werden immer weniger Todesurteile vollstreckt. Die Zahl ist geheim, soll sich aber auf 3000 mehr als halbiert haben. Seit 2007 müssen der Todeskandidat und seine Familie der Spende außerdem zustimmen. Auch der illegale Organhandel wird stärker bekämpft.

Ein neues patientenorientiertes Verteilungssystem soll jetzt Abhilfe schaffen. 2009 begannen chinesische Experten, die Spenderprogramme in 15 Ländern zu studieren, um einen Plan für ein eigenes System zu erstellen. Im April 2011 ging das Computerprogramm "China Organ Transplant Response System" (COTRS) versuchsweise online. Es ermittelt anhand der Schwere der Krankheit, Wartezeit und Entfernung einen passenden Empfänger. Die registrierten Patienten und ihre Krankenhäuser erhalten dann eine automatische SMS, dass ein Organ zu Verfügung steht. Innerhalb von einer Stunde müssen sie entscheiden, ob das Organ angenommen wird, sonst bekommt es der nächste auf der Liste.

Allein das System regelt die Verteilung der Organe

"Der wichtigste Grundsatz ist die Trennung der Macht", erklärt Wang Haibo, Direktor des neuen Koordinierungszentrums in der südchinesischen Metropole Shenzhen, das bald landesweit alle Organtransplantationen organisieren wird. "Die Krankenhäuser haben keine Befugnis, ein Organ zu beantragen. Allein das System entscheidet, wer welches Organ bekommt". Die Verantwortung sei klar geregelt. "Die Ausgabe von Organen ist die Zuteilung von Leben." Deswegen müsse das System "offen, transparent und gerecht" sein. Sonst werde es im Volk auch nicht akzeptiert. Auch die Datenspezialistin Jiang Wenshi versichert: "Es sammelt keine Informationen über Einkommen, Bildung oder offizielle Stellung. Das System weiß nicht, ob der Patient ein Präsident oder ein einfacher Bürger ist."

Im April 2011 vermittelte das Netzwerk erstmals ein Organ. Seitdem wurden etwa 650 Organe über das System vermittelt. Eines davon an die 38 Jahre alte Bäuerin Huang Xiaoyan. Sie bekam kürzlich eine neue Leber. Ohne das Spenderorgan wäre sie längst tot. "Ich wüsste gerne, wer das Organ gespendet hat", sagt sie. "Ich will es wissen, aber die Ärzte sagen es mir nicht." Das Krankenhaus behandelt persönliche Daten von Spendern grundsätzlich vertraulich. Ein paar Informationen gibt es auf Nachfrage dann doch: "Ein Todesfall bei einem Unfall", verrät ein Arzt. "Die Familie war bereit, die Leber zu spenden." Nach Angaben von Ärzten kostet eine Transplantation die Patienten zwischen 100.000 und 200.000 Yuan (12.600 bis 25.300 Euro), ohne die 30.000 bis 50.000 Yuan für Organentnahmen sowie die Folgebehandlungen mitzurechnen. Der Mann der Bäuerin Huang Xiaoyan lieh sich das Geld von Verwandten und Freunden: "Wir haben alles hergegeben, um sie zu retten."

Kooperation mit Hinrichtungsplätzen soll enden

Bisher sind 164 Krankenhäuser an die Organverteilung angeschlossen, 300 sollen es werden. Zentrumschef Wang Haibo meint, das Gesundheitsministerium in Peking werde "bald" entscheiden, dass alle Kliniken, die Transplantationen vornehmen wollen, nur noch über dieses System gehen können. Dafür müssten sie eigene Programme für Organspenden starten und Werbung machen, damit in ihrem Krankenhaus auch mehr Organe nach Herz- oder Gehirntod gespendet werden. Denn eins stehe fest: "Die Nutzung von Organen Hingerichteter wird von unserem Verteilungssystem ausgeschlossen", sagt Wang Haibo. "Kliniken bekommen keine Lizenz, wenn sie ein solches Organ nehmen. Da gibt es null Toleranz", betont er. "Die Politik ist eindeutig: Wir können uns nicht mehr auf Organe exekutierter Straftäter stützen." Ein schwieriges Vorhaben, wie alle einräumen. Kliniken wurden bereits aufgefordert, ihre Kooperation mit Hinrichtungsplätzen zu unterbinden.

Die Bäuerin Huang Xiaoyan ist überzeugt von dem neuen System: "Ich bin sehr bewegt, dass es so einen gutherzigen Menschen gab, der für mich gespendet hat", sagt die 38-Jährige. Sie selber habe früher nie über Organspenden nachgedacht - bis ihr Leben dadurch gerettet wurde. "Ich würde andere gerne ermutigen, zur Spende bereit zu sein."

Quelle: n-tv.de , dpa>









Fotoquellen
[1] Nijiati Abudureyimu, Portrait: http://www.20min.ch/news/schweiz/story/30367416

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